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Erschreckende Nachrichten aus El Salvador

Mit tiefer Bestürzung erhielten wir die Nachricht, dass sich in unserer Partnergemeinde in Nueva Esperanza/El Salvador ein fürchterliches Massaker ereignet hat. Dabei wurden fünf Einwohner des ca. 550 Einwohner zählenden Dorfes auf brutale Weise ermordet, darunter auch ein Schüler unserer Partnerschule.

Hintergrund ist ein  seit einigen Jahren eskalierender  Kampf verschiedener Jugendbanden (Maras), die mittlerweile auch die bis vor Kurzem ruhigeren ländlichen Gebiete – darunter auch unsere Partnergemeinde – terrorisieren.

Wir haben der Gemeinde über deren Pfarrer, Padre Angel, mit dem wir in Kontakt stehen, unser tief empfundenes Beileid ausgesprochen. Nachfolgend schildert Padre Angel in einem kurzen Brief selbst die gegenwärtige Situation in unserer Partnergemeinde. Sobald uns weitere Informationen vorliegen, werden wir weiter berichten.

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Totenwache in El Salvador

Wer sich für die Hintergründe interessiert, dem sei dieser Artikel aus der österreichischen Zeitung “Der Standard” empfohlen, in dem der aktuelle Bericht von Amnesty International über Jugendbanden in u.a. El Salvador sehr übersichtlich zusammengefasst wird. Ebenfalls sehr informativ ist dieses Video von Amnesty International.

Der Brief von Padre Angel

Nueva Esperanza, Usulután, El Salvador, 19. Oktober 2016

Freundinnen und Freunde von Nueva Esperanza und unseres Bajo Lempa: Einige Zeilen zu unserer aktuellen Situation, zwei Wochen nach dem gewaltigen Schlag, den die Exekution von fünf  Bewohnern unserer Gemeinde darstellt, die nachts aus ihren Häusern gerissen und danach  in einer Ecke unseres Dorfes abgelegt wurden. Wir sind immer noch im Schock. Vor allem weil es nach Monaten der Ruhe geschah, die auf zwei blutige und angespannte Jahre 2014 und 2015 in unserer gesamten Region folgten.

Migranten: Es reisten bereits größere Gruppen Jugendlicher und Kinder aus, um sich andernorts niederzulassen, unter allen Risiken und menschlichen wie auch finanziellen Kosten, die man sich vorstellen kann, aber auch Erwachsene, vor allem Familienangehörige der Opfer.

Stille: Die Umgebung der Straßen und Häuser ist von totaler Stille geprägt. Außer wenn ein Verkäufer mit seinem Wagen voll Gemüse und Früchten die Stille durchbricht. Jeder hält sich in seinem Haus auf. Mein Haus nenne ich ein “offenes Kloster” samt seinem großen Garten für das gesamte Dorf, vor allem wenn es dunkelt.

Besorgnis, Angst: Die Angst hat Traumata und Krankheiten produziert, die jeder einzelne versucht auf bestmögliche Weise zu bewältigen. Einer spricht dem anderen Trost zu.

Ohne Spiele, rekreative oder weitere Aktivitäten: Sämtliche Aktivitäten, zu denen sich unterschiedliche Gruppen getroffen haben, wurden wenigstens bis Neujahr eingestellt. Ausschließlich die Fußballmannschaft hält ihre Spiele aufrecht.

Regen: Wir befinden uns im regnerischsten Monat des Jahres. Die Bauern sind mit dem Jahr in landwirtschaftlicher Sicht sehr zufrieden, da es in den vergangenen Monaten fast jeden Tag geregnet hat. Nun fehlen uns noch die kräftigsten 20 Tage bis Anfang November in der Hoffnung, dass keine Überschwemmungen auftreten werden.

Ökonomische Probleme im Land  und der Kooperative Nueva Esperanza: Die Oposition aus Unternehmern stimmt gegen die Aufnahme von Krediten der Regierung; nun da das Finanzdefizit chronisch auf Lebenszeit ist und in diesem Monat viele Menschen nicht bezahlt werden konnten. Der Kooperative von Nueva Esperanza schuldet sie noch Geld für geliefertes Saatgut, das zum Zweck einer Zuwendung an die Bauern des Landes diente. Die Kooperative selbst ging mithilfe von Krediten in Vorleistung und kann diese nun samt der Zinsen nicht bezahlen.

Es nähern sich neue Wahlen in El Salvador und dies bestimmt bereits die Situation in sämtlichen Bereichen. Es ist nunmal ein kleines und polarisiertes Land. Im ländlichen Gebiet haben wir einen Vorteil, weil die Leute einen Großteil der Lebensmittel, die sie konsumieren, selbst produziert und somit wenige Extraausgaben hat.

Wir sind schon aus Schlimmerem heraus gekommen und diesmal werden wir es auch, aber es wird nicht mehr dasselbe sein. So ist die Geschichte. Eine herzliche Umarmung für Euch alle.

Angel Arnaiz Quintana (Priester der Gemeinde Nueva Esperanza)

Konrad Adenauer Gymnasium Kleve

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