Main menu

“Fragt uns, wir sind die letzten…”

“Fragt uns, wir sind die letzten…” Unter diesem Leitsatz stand die Begegnung der Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen mit Überlebenden der NS-Vernichtungspolitik am Freitag, den 02.06.2017 im Konrad-Adenauer-Gymnasium. Vermittelt und ermöglicht durch das Maximilian-Kolbe-Werk und das Katholische Bildungszentrum Wasserburg Rindern berichteten zwölf polnische Zeitzeugen den Jugendlichen von ihren Erfahrungen, von ihrem Lebens- und Leidensweg in Ausschwitz, in Majdanek und anderen Orten des Schreckens und des Todes.

Wenn im Jahr 2017 Zeitzeugen von ihren Erinnerungen aus den Konzentrationslagern berichten, so ergibt sich, dass ein Großteil der Berichtenden damals selbst noch im Kinder- und Jugendalter war. Gerade dies vermittelte den Schilderungen eine besondere Eindrücklichkeit. Es ist das Eine, im Geschichtsbuch einen erläuternden Text über die Verfolgungen im Dritten Reich zu lesen. Es ist etwas anderes, aus dem Mund eines damals elfjährigen Mädchens – und somit gleichsam aus dem Mund eines Kindes – zu hören, wir ihre zwei- und vierjährigen Brüder vor ihren Augen an Entkräftung starben und wie ihr Vater gezwungen wurde, die leblosen Körper auf einem Berg von Leichen abzulegen. Erfahrungen eines Kindes. Stille legt sich in einem solchen Moment über den Klassenraum.

Mit dem selbstgewählten Ausspruch „wir sind die letzten“ machten die Gäste aber auch darauf aufmerksam, dass mehr und mehr die Stimmen derjenigen verklingen, die noch berichten können. In einer Zeit, in der das Leiden in den Konzentrationslagern langsam hinübergleitet von der Zeitgeschichte, also einer „Geschichte der Mitlebenden“, zu einer Vergangenheit, von der niemand mehr selbst berichten kann, werden die Gelegenheiten seltener, das eigene Herz von den Schilderungen Überlebender berühren zu lassen. Am Freitag war eine solche Gelegenheit.

Jan Hellwig 

Konrad Adenauer Gymnasium Kleve

Konrad Adenauer Gymnasium Kleve