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Inklusion – oder: Gemeinsames Lernen!

Gemeinsames Lernen am Konrad-Adenauer-Gymnasium im Schuljahr 2017/18

“b wie beste Klasse” – Das ist der Leitspruch, den sich die Klasse 5b als dritte Inklusionsklasse des Konrad-Adenauer-Gymnasiums mit Beginn des Schuljahres 2017/18 gesetzt hat, um sich gemeinsam den Herausforderungen des längeren Gemeinsamen Lernens zu stellen.

Von nun an gibt es in den Jahrgängen fünf, sechs und sieben je eine Klasse, in der Kinder mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Lernen (LE) zusammen mit Gymnasialkindern zieldifferent unterrichtet und individuell gefördert werden.

Die im 9. Schulrechtsänderungsgesetz und der Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung (AO-SF) geforderte und gesetzlich verankerte inklusive Bildung aller Kinder stellt das gesamte Kollegium immer wieder vor neuen Herausforderungen. So steigt mit der Zunahme an förderungsbedürftigen GL-Kindern leider nicht – wie gehofft und gefordert – der Anteil an fachkundiger Unterstützung durch Lehrkräfte für Sonderpädagogik. Das bedeutet, dass mittlerweile ein Großteil der Nebenfächer sowie einige wenige Stunden der Hauptfächer allein von den Gymnasiallehrern unterrichtet werden müssen. Zum anderen müssen Ressourcen in Form von Ersatzfächern (Stützunterricht, Hauswirtschaft oder Technik) für die zweite Fremdsprache, die ab Klasse 6 unterrichtet wird, für die GL-Kinder geschaffen werden.

Die Kollegen, die ihre Bereitschaft gezeigt haben, in den drei Klassen des längeren Gemeinsamen Lernens zu unterrichten, stellen sich den o. g. Herausforderungen und sind bemüht, alle Kinder im Blick zu haben und sie ihren Fähigkeiten entsprechend zu fördern.

Schülerinnen und Schüler im Gemeinsamen Lernen am KAG

Mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 werden insgesamt 15 Kinder mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Lernen gem. § 4 (2) AO-SF beschult, wovon sechs die Klasse 5b, drei die Klasse 6b und sechs die Klasse 7b besuchen. Sie werden in den so genannten “GL-Klassen” (GL = Gemeinsames Lernen) gemeinsam mit 17 (5b), 22 (6b) bzw. 18 (7b) Gymnasialkindern unterrichtet und gefördert.

Diese 15 Kinder weisen sowohl in ihren kognitiven Funktionen und / oder ihrer sprachlichen Entwicklung und / oder ihres Sozialverhaltens mehr oder weniger umfassende Lern- und Leistungsausfälle auf. Sie müssen zieldifferent gefördert und gefordert werden, was im Sinne der Inklusion im Rahmen einer inneren und äußeren Differenzierung geschehen sollte. Hierbei ist das psychische Wohl der Kinder besonders zu berücksichtigen, arbeiten sie als “Leistungsschwächere” doch mit den leistungsstärksten Kindern unsers Schulsystems innerhalb eines Klassenverbandes zusammen.

In der Klasse 6b befindet sich zudem eine Schülerin, die einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation (HK) gem. §7 (3) AO-SF im Sinne einer Schwerhörigkeit aufweist. Das Mädchen wird zwei Stunden wöchentlich von einer Sonderpädagogin der Erich-Kästner-Schule in Wesel unterstützt und nimmt zielgleich am Unterricht der Regelschülerinnen und -schüler teil.

Des Weiteren befindet sich in der Klasse 8 ein Junge, der einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Bereich der Emotionalen und sozialen Entwicklung aufweist. Er nimmt zielgleich am Unterricht der Gymnasiasten teil und wird zurzeit 1 Stunde pro Woche sonderpädagogisch unterstützt.

Klassen- und Lehrerbesetzung

Die drei Inklusionsklassen am Konrad-Adenauer-Gymnasium werden in diesem Schuljahr mit insgesamt 33 Stunden in Doppelbesetzung unterrichtet und gefördert, wovon Frau Kortboyer 15 und Frau Schmidt 18 Stunden abdeckt. Beide Sonderpädagoginnen fungieren zudem als Mitglied einer Klassenleitung, so dass Frau Kortboyer schwerpunktmäßig in der Klasse 7b (10 Stunden) und Frau Schmidt in den Klassen 5b (10 Stunden) und 6b (6 Stunden) eingesetzt ist.

Es wurde darauf geachtet, dass alle Klassen schwerpunktmäßig in den Hauptfächern von zwei Lehrern betreut werden. In den Nebenfächern ist dies nur noch äußerst eingeschränkt möglich.

Der Unterricht in den Fächern Englisch und zumeist auch Mathematik findet im Rahmen einer äußeren Differenzierung statt, in Deutsch und allen Nebenfächern werden die GL-Kinder gemeinsam mit den Gymnasialkindern unterrichtet, wobei sie zusätzliche Erklärungen und / oder in Qualität und Quantität angepasste Aufgabenstellungen erhalten. Jede Inklusionsklasse besitzt einen Nebenraum, der durch eine Glastür und ein Fenster an den eigentlichen Klassenraum angebunden ist, so dass die räumliche Nähe und Anbindung an den Unterricht des Gymnasiums gegeben ist.

Unterricht und Soziales Lernen

Der Stundenplan der GL-Kinder der Klasse 5 orientiert sich an den Vorgaben der Stunden- und Fächerverteilung des Gymnasiums.

In der Klasse 6 erhalten die Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf je ein bis zwei Stunden – wenn möglich “praktisch angehauchten” – Stützunterricht in den Fächern Englisch und Deutsch als Ersatz für die zweite Fremdsprache, die dann für die Gymnasiasten obligatorisch ist.

Für die GL-Kinder der Klasse 7 wird der praktisch orientierte Unterricht allmählich wichtiger, so dass sie neben ein bis zwei Stunden Stützunterricht in den Hauptfächern zwei Stunden wöchentlich an Angeboten im Bereich Hauswirtschaft oder Technik teilnehmen müssen bzw. sollten. Dies stellt bisher eine organisatorische Herausforderung für die Unterrichtsplaner dar, ist aber für die schulische Förderung der GL-Kinder von großer Bedeutung.

Die GL-Kinder fühlen sich an unserer Schule grundsätzlich wohl. Ein Kennenlernnachmittag vor dem Schulwechsel hat dazu geführt, dass sowohl Eltern als auch Kinder die zukünftige Lernumgebung sowie das Klassenleitungsteam kennenlernen und somit bestehende Ängste und zum Teil große Sorgen eingedämmt werden konnten.

Die in den Klassen unterrichtenden Gymnasialkollegen haben die Herausforderung des Gemeinsamen Lernens angenommen und nehmen bei Bedarf die Beratung und Unterstützung durch die Sonderpädagoginnen in Anspruch.

Durch ein gemeinsames Klassenmotto, das soziale Lernen, das durch Sozialpädagoginnen angeleitete Projekt “Wir sind Klasse!”, Ausflüge, das unmittelbare Eingehen auf Probleme sowie nicht zuletzt durch den Einsatz unterschiedlicher Sozialformen, bei denen leistungsstarke Schüler mit leistungsschwächeren zusammenarbeiten, wird das soziale Miteinander gefördert.

Das GL- Konzept wird jährlich evaluiert, aktualisiert und erweitert. Es wird allen in der Klasse unterrichtenden Kollegen zur Verfügung gestellt. Im Rahmen der Erprobungsstufenkonferenzen besteht zudem regelmäßig die Möglichkeit eines gemeinsamen Austauschs.

Text: Sandra Kortboyer (Sonderpädagogin); Fotos (aus der aktuellen Klasse 5b): Sina Scherer

Konrad Adenauer Gymnasium Kleve

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